Vortrag von David Claerbout

David Claerbout, Oil workers (from the Shell company of Nigeria) returning home from work, caught in torrential rain, 2013, HD color animation, duration endless, silent, Courtesy the artist

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 26. November, 19 Uhr: Vortrag von David Claerbout (in englischer Sprache)

In David Claerbouts (*1969 in Belgien) künstlerischer Arbeit besitzt die Zeit in einer ästhetischen Reflexion ihrer ganzen Komplexität eine Kernfunktion und wird selbst zum wichtigsten Narrativ. Die Problematik der Darstellbarkeit alles Zeitlichen beschäftigt die fotografischen wie auch die filmischen Arbeiten Claerbouts, welche die Grenze zwischen fixiertem und bewegtem Bild ausloten und dabei Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschwimmen lassen.
In den Videoarbeiten Claerbouts werden die Grenzen zwischen  Fotografie und Film aufgelöst, nicht zuletzt werden diese beiden Medien so eingesetzt, das sie ihre jeweils charakterisierenden Eigenschaften thematisieren und die minimale Bewegung einer sorgfältig komponierten Situation erzeugt nicht selten beim Betrachter ein Gefühl der Zeitlosigkeit bzw. ein Bewusstsein über Zeitlichkeiten.
Es finden sich nicht nur Anklänge an die Filmgeschichte, Claerbouts Arbeiten sind zudem eng mit der Filmtheorie Gilles Deleuzes verwoben. So erfährt der Betrachter in seinen Videoarbeiten nicht die Zeit als Maß der Bewegung, sondern die Bewegung als Gerüst der Zeit.
Die Arbeiten Claerbouts sind durch eine charakterisierende Entschleunigung geprägt, der narrative Gehalt wird in der Atmosphäre des scheinbar endlosen Moments entkontextualisiert, die Situation wird dadurch subtil manipuliert.
Oftmals thematisiert Claerbout den Topos Zeit über die Situation des Wartens, wie etwa in der Arbeit ‘Oil Workers (of the Shell company of Nigeria) returning home from work, caught in torrential rain‘ aus dem Jahr 2013. Diese Videoarbeit zeigt über 40 Männer, die überrascht von einem starken Regenschauer Unterschlupf unter einer Brücke gefunden haben und nun das Ende des Regens abwartend dem Betrachter scheinbar unbewegt entgegen blicken. Die konstante und dennoch ruhige Rotation der Kamera über eine klassisch-malerische Komposition manifestiert diesen zeitlich gedehnten Moment des Wartens.

Im Kölnischen Kunstverein spricht David Claerbout über aktuelle und kommende Projekte.

Eintritt 4 €, ermäßigt 2 €, frei für Mitglieder