Familien Bande

zusammengestellt von Madeleine Bernstorff, Marion von Osten
08.12. – 11.12.2005

Einer der ersten Migrationsfilme der Filmgeschichte ist Alice Guy-Blachés “The Making of an American Citizen” (Solax 1912). Er handelt von einem russischen Einwandererehepaar, das, in Ellis Island angekommen, sich in der Lower Eastside ansiedelt und später eine Farm betreibt. Der Ehemann behandelt seine Frau wie einen Packesel. In jeder Szene, in der die neue amerikanische (männliche) Gesellschaft thematisiert wird, werden dem Ehemann “Manieren” beigebracht: Als sie vom Schiff steigen, nimmt ein Amerikaner der Frau das Bündel ab und gibt es ihrem Mann, der Hauswirt hört das Ehepaar streiten und weist den Ehemann zurecht, auf der Farm schützt ein anderer Farmer die Frau.

Das Herkunftsland als „vormodernes“ Hinterland ist ein Topos, der sich durch die Filmgeschichte zieht. Sexuelle Unterdrückung in traditionellen Familienstrukturen wird seit Beginn des Migrationsfilms ethnisiert, und das auch in Filmen, in denen ein „frauenbewegter“ Gestus ein allgemeines „fremdes“ weibliches Schicksal behauptete. Die Erzählform von Migration im Film reproduzierte so lange Zeit das Muster, die Protagonisten der Handlung als ihr Schicksal Ertragende darzustellen. Der Migrantin kam darin eine zentrale Rolle zu. Das Bild von vormodernen, traditionellen Familien- und Geschlechterverhältnissen, vom ungelernten Arbeiter/Bauer-Mann und der unterdrückten Frau, blieb hartnäckig präsent und dient bis heute zur Funktionalisierung. Eine ganze Serie von Filmen musste etwas symptomatisch “durcharbeiten³, bevor andere Erzählstrategien möglich wurden.

Migration erscheint in aktuellen filmischen Erzählungen vor dem Hintergrund alltäglicher, wie juridischer Ausschlüsse und medialer Zuschreibungen nun eher als eine Störung im kleinfamiliären und/oder nationalen Sesshaftigkeitskonzept und der traditionellen Arbeitsteilung. Die Programme des Filmfestivals zeigen unterschiedliche Beispiele dieser (Film-)Geschichte und thematisieren die Komplexität und Modernität transnationaler Familienstrukturen, wie auch alternativer Lebensentwürfe, die durch Migration bestimmt sind und das traditionelle, filmische Familien- und Geschlechterbild unterlaufen.

Programm:
Kleine Familie Bundesrepublik
Donnerstag, 8. Dezember 2005

19.00 EINFÜHRUNG von Madeleine Bernstorff und Marion von Osten mit Filmbeispielen: Jack Smith “Song For Rent³ 1968/69, Alice Guy-Blaché „The Making Of An American Citizen“ 1912, u. a.

20.00 TOXI (R. A. Stemmle) D: Elfie Fiegert, Paul Bildt, Al Hoosman, Elisabeth Flickenschildt, BRD 1952, 89 min Die fünfjährige afrodeutsche Toxi landet in einer bundesdeutschen Nachkriegsfamilie und ist dort den Debatten um Segregation oder Integration ausgesetzt.

TOXI LEBT ANDERS (Peter Schier-Grabowski) BRD 1958, 27 min Der Fernsehbeitrag sollte ein Korrektiv zum Publikumserfolg des rührseligen Spielfilms „Toxi“ sein und dreht sich um die Mütter der afrodeutschen „Besatzungskinder“.

Arbeiter verlassen die Fabrik
Freitag, 9. Dezember 2005

19.00 EINFÜHRUNG von Marion von Osten

FÜR AUSLÄNDISCHE UND DEUTSCHE ARBEITER (Christine Trautmann, Kurt Rosenthal) BRD 1973, 12 min* Experimenteller Film zur Rolle der Migration in den Arbeitskämpfen

COMPAÑERA INGE
(Karlheinz Mund, Erika Nowak) DDR 1982, 28 min Die offizielle Sicht der DDR auf Vertragsarbeiter aus Kuba und deren Betreuerin Inge.

20.30 PIERBURG: IHR KAMPF IST UNSER KAMPF (Edith Schmidt, David Wittenberg) BRD 1974/75, 49 min Dokumentation des wilden Streiks der Frauen bei Pierburg / Neuss, 1973, die nie gesendet wurde.

Anschließende Diskussion mit dem Regisseur David Wittenberg (Köln), Peter Leipziger (Betriebsrat Pierburg) und Paulino José Miguele (ehemaliger Vertragsarbeiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter, DOMiT), Moderation: Aurora Rodonò.

40 qm Deutschland / 4.000 km Autobahn
Samstag, 10. Dezember 2005

15.00 EINFÜHRUNG mit Filmbeispielen von Madeleine Bernstorff

15.30 WAS ICH VON MARIA WEISS (Gisela Tuchtenhagen) BRD 1971, 18 min Ein involviertes Porträt der 13-jährigen spanischen Schülerin Maria aus Norddeutschland.

16.00 EINE KÖLNER FAMILIE (Hans-Jürgen Hilgert, Tuulikki Lähdesmäki), WDR, BRD 1976, 30 min Die politisch engagierte Tochter der süditalienischen Familie Santoro organisiert eine migrantische Mieterinitiative in der Subbelrather Straße in Köln der 70er Jahre.

FREMDE HEIMAT (Hans-Jürgen Hilgert, Tuulikki Lähdesmäki), WDR, BRD 1978, 44 min Der zweite Dokumentarfilm berichtet über die transnationalen Beziehungen der Kölner Familie Santoro zwischen Deutschland und Italien.

Anschließende Diskussion mit der Filmemacherin Cosima Santoro (Berlin), Protagonistin in “Eine Kölner Familie³ und “Fremde Heimat³.

18.00 BEN KIMIM (Canan Yilmaz) D 2003, 4 min, OmeU * Bin ich deutsch bin ich türkisch.

GÖLGE (Sema Poyraz) D: Semra Uysal, Birgül und Yüksel Topçugürler, BRD 1980, 90 min Der erste Spielfilm aus einer migrantischen und feministischen Perspektive: ein Kammerspiel über Gölge in einer Zweizimmerwohnung mit ihrer vierköpfigen Familie.

20.00 AUSLANDSTOURNEE (Ay¸se Polat) D: Hilmi Sözer, Özlem Blume, Özay Fecht. D 1999, 91 min Der Nachtklub-Sänger Zeki reist mit der 11-jährigen Senay über Hamburg, Paris und München bis nach Istanbul auf der Suche nach Senays Mutter.

22.00 AUDITION TAPE (Benny Nemerofsky Ramsay) Kanada 2003, 6 min, OmeU*, „Schwul, weiß, 29 Jahre, gute Singstimme und Koordination sucht verzweifelt Job in der russischen Mädchenband Tatu.“

LOLA UND BILIDIKID (Kutlug Ataman) D: Baki Davrak, Gandi Mukli, Erdal Yildiz, Inge Keller. D 1998, 95 min Der wohlbehütete 17-jährige Murat und die Szene der Kreuzberger Transvestiten. Der Schauspieler Gandi Mukli ist anwesend.

Daheim im Ausnahmezustand
Sonntag, 11. Dezember 2005

15.00 EINFÜHRUNG von Marion von Osten & Madeleine Bernstorff WHO HANGS THE LAUNDRY? WASHING, WAR AND ELECTRICITY IN BEIRUT (Hrabba Gunnarsdóttir, Tina Naccache) Island/Libanon, 20 min Ein DV-Gespräch mit der libanesischen Aktivistin Tina Naccache über Alltag, Kriegsfolgen, Hausarbeit und Migration.

15.30 WELCOME IN HOLLAND CAMPUS VUGHT (Sarah Vos) Niederlande 2003, 100 min, OmeU Abgewiesene jugendliche Asylbewerber in einem Lager in Holland beginnen, sich mit zivilem Ungehorsam gegen ihre Isolation zu wehren.

17.30 TANGER, LE RÊVE DES BRÛLEURS (Leïla Kilani) Frankreich 2002, 53 min, OmeU Ein Film über die, die ihre Identität aufgeben, um über Nord-Afrika nach Europa zu kommen und durch die Grenze zu anderen werden.

Anschließende Diskussion mit der Filmemacherin Brigitta Kuster (Berlin), Kuratorin von transit.doc. Pause

19.00 BORDERLINE(S): SEXUELLE GRENZVERLÄUFE
Vortrag von Dr. Marie-Luise Angerer, Professorin an der KHM, Köln Gerade weil Sexualität sich mit Körpern, mit Orten, Zeiten und Bildern immer verdichten muss, ist sie der Grenzverlauf metaphorisch und physisch schlechthin.

20.00 DIE HELFER UND DIE FRAUEN (Karin Jurschick) BRD 2004, 80 min Militärische Verbände und politische Organisationen, wie die unter UN-Führung operierende Internationale Polizei (IPTF) und die International Organisation for Migration (IOM), versuchen in Ex-Jugoslawien Probleme mit Prostitution und Menschenhandels zu lösen die sie u. a. mit verursacht haben.

Anschließende Diskussion mit der Regisseurin Karin Jurschick und der Kamerafrau Anke Schäfer (Köln), der Theoretikerin Marie-Luise Angerer (KHM Köln) und dem Soziologen Vassilis Tsianos (Hamburg / TRANSIT MIGRATION) Moderation: Dr. Regina Römhild, (Frankfurt am Main/ Kuratorium Projekt Migration).

* Aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen

Detaillierte Informationen zu den jeweiligen Flimen: www.projektmigration.de
Die Filme und Diskussionen begleiten thematisch Aspekte der Ausstellung und der Publikation „Projekt Migration“. Die Ausstellung findet im Kölnischen Kunstverein, am Rudolfplatz, am Friesenplatz sowie im öffentlichen Raum statt und läuft noch bis zum 15. Januar 2006.

Von wegen Parallelgesellschaft!

Rollenspiel und Grenzverkehr im Kino der Migranten
Filmreihe, zusammengestellt von Deniz Göktürk, Professor an der UC Berkeley
13.10. – 16.10. 2005

Deutschland war schon lange “Einwanderungsland”, bevor dies politisch und gesetzlich formuliert wurde. Das “Zuwanderungsgesetz”, das im Januar 2005 in Kraft trat, ist ein Markstein in der öffentlichen Bewusstwerdung von Grenzverkehr und einem neuen Selbstverständnis der Bundesrepublik als “offener” Nation. Dass dabei nicht von “Ein-” sondern von “Zu-wanderung” die Rede ist, zeigt ein weiteres Mal, dass Wert gelegt wird auf die Markierung von Unterschieden zwischen “Ansässigen” und “Fremden” und dass man sich schwer tut in Deutschland mit dem Zugeständnis, ein “Einwanderungsland” zu sein. Der Rückblick auf ein halbes Jahrhundert Migrationsgeschichte – der erste Anwerbevertrag mit Italien wurde 1955 abgeschlossen – führt zu einer Vielzahl von symbolischen Gesten im Bereich der Kultur; Migration geht ins Museum. Ziel dieser Veranstaltungen ist, Bewusstsein zu wecken für kulturelle Vielfalt und für transnationale Vernetzungen, für Geschichten, die anderswo beginnen und nach Deutschland führen oder auch Deutschland verlassen.

Programm
Do, 13. 10.
Focus 1973 – tragisch und komisch…

Einführungsvortrag von Deniz Göktürk (UC Berkeley):
“Von wegen Parallelgesellschaft! Rollenspiel und Grenzverkehr im Kino der Migranten”

Angst isst Seele auf (D 2003, Shahbaz Noshir, 13 min)
Angst essen Seele auf ( D 1974, R.W. Fassbinder, 93 min)
Pane e cioccolata (I 1973, Franco Brusati, 112 min, OmenglU)

Fr, 14. 10.
Sehen und gesehen werden… Städte, Räume, Grenzen, Beobachtung

Menschen auf der Treppe (D 1999, Hatice Ayten, 34 min, Dokumentarfilm)
In Anwesenheit der Regisseurin Hatice Ayten
Getürkt (D, 1996, Fatih Akin, 12 min)
Was nicht passt, wird passend gemacht (D, 1996, Peter Thorwarth, 15 min)
Planeta Alemania – Beobachtungen aus der Unsichtbarkeit (D, 1999, comp@ñeras, 38 min)
12 Saatlik (NL, 2003, Nicoline van Harskamp, 6 min, OmenglU)
In Anwesenheit der Regisseurin Nicoline van Harskamp
Propanganda (TUR, 1999, 120 min, OmdtU)

Sa, 15. 10.
Wer ist hier WIR? Ironie und Komik gegen Ethnochauvinismus

Ein Engel schlägt zurück (D 1998, Angelina Maccarone, 83 min), im Anschluss Gespräch mit Angelina Maccarone
Drei gegen Troja (D 2005, Hussi Kutlucan, 90 min)

Podiumsdiskussion:
Jenseits der Fürsorge? Förderung, Identität und Mobilität” mit Filmemachern, Kritikern und Redakteuren
Auf dem Podium: Hussi Kutlucan, Yüksel Yavuz, Claudia Tronnier
Moderation: Deniz Göktürk

Kleine Freiheit (D 2003, Yüksel Yavuz, 100 min)
Gegen die Wand (D/TUR 2003, Fatih Akin, 121 min)

So, 16. 10.
In transit – national, europäisch oder global?

In Transit (TUR 2004, Berke Bas, 45 min, Dokumentarfilm, OmenglU
Schwarzfahrer (D 1993, Pepe Danquart, 12 min)
Lichter (D 2003, Hans-Christian Schmid, 105 min)
One Day in Europe (D/E 2005, Hannes Stöhr, 100 min, OmdtU)
Dirty Pretty Things (GB 2002, Stephen Frears, 97 min, OF)

Projekt Migration

01.10.2005 – 15.01.2006

Es ist der Blick, der darüber entscheidet, ob und wie wir Migration sehen. Die Perspektive der Nation macht aus den Menschen, die über die Grenze kommen, die Anderen: Fremde, die es zu erforschen und zu verstehen, abzuwehren und zu kontrollieren, zu nutzen und zu integrieren gilt. Ob mit empathischer Zuwendung, ökonomischem Pragmatismus oder rassistischer Ausgrenzung: Die Nation gebraucht die Anderen, um sich selbst ins Zentrum zu setzen. So entsteht die Erzählung von der Mehrheit und ihren Minderheiten.

Das „Projekt Migration“, das von der Kulturstiftung des Bundes initiiert wurde, steht für den Versuch, diesen Blick umzukehren und Migration als eine zentrale Kraft gesellschaftlicher Veränderung sichtbar zu machen.
Der Kölnische Kunstverein ist Träger des Projektes. Projektpartner sind DOMiT, Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V. für die Perspektive der Sozialgeschichte, das Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt/Main und das Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst (ics, HGK Zürich) für die Perspektive der Wissenschaft.

Trisha Donnelly, CENTRAL Kunstpreis

25.06. – 05.09.2005

Zum fünften Mal vergibt die CENTRAL KRANKENVERSICHERUNG AG Köln in Zusammenarbeit mit dem Kölnischen Kunstverein den CENTRAL-Kunstpreis für internationale Künstler. Durch die bisherigen Preisträger Rirkrit Tiravanija (1996), Douglas Gordon (1998), Ernesto Neto (2000) und Florian Pumhösl (2002) hat der CENTRAL-Kunstpreis großes Ansehen innerhalb der bildenden Kunstszene gewonnen, das mit der Nominierung von Trisha Donnelly seine Fortsetzung findet. Trisha Donnelly wurde von einer internationalen Jury, bestehend aus Chen Y. Chaos, Chefkuratorin am Millenium Art Museum in Peking, Hans Ulrich Obrist, Kurator am Musée d´Art Moderne de la Ville de Paris und Beatix Ruf, Direktorin der Kunsthalle Zürich, nominiert. Mit dem Förderpreis in einer Höhe von Euro 75.000,- setzt die CENTRAL Krankenversicherung AG ein deutliches Zeichen, neben ihrer Sammlung von zeitgenössischer Kunst auch die jüngsten Tendenzen in der zeitgenössischen bildenden Kunst wahrzunehmen und durch eine aktive Unterstützung mit fortzuschreiben.
Der CENTRAL-Kunstpreis ermöglicht der Preisträgerin einen halbjährigen Aufenthalt in Köln und die Realisierung eines neuen künstlerischen Projektes, das im Sommer 2005 in einer Ausstellung im Kölnischen Kunstverein gezeigt wird.

Trisha Donnelly versteht es auf besondere Art in ihren Installationen, Video- und Soundarbeiten, Fotografien, Performances oder Zeichnungen, Momente der uneingeschränkten Konzentration und Fokussierung zu schaffen.
Beinahe obsessiv spielt sie mit einer Mischung aus Faszination und Ratlosigkeit. Durch ihre eindringlichen Demonstrationen von Kraftanstrengung und Hingabe scheint es, als sei sie in der Lage, allein durch ihren Willen die Realität zu verändern – es entsteht ein Sog von höchster Intensität. Doch statt die vormals als sicher gewähnten Situationen, die nun gebrochen und in vollkommene Irritation geraten sind, aufzulösen, lässt sie uns mit einem empfindlich treffenden Gefühl tiefer, verstörender Leere und Unsicherheit allein zurück.

Trisha Donnelly erforscht in ihren Arbeiten immer wieder die Grenzen der Sinneswahrnehmung. In Soundarbeiten wie „The Shield“ (2004) setzt sie einen sonoren, dumpfen Ton, der in regelmäßigen Abständen ertönt, in einer so hohen Stärke ein, dass er zu einer körperlich spürbaren Barriere wird. Das was uns eigentlich Immateriell erscheint, wird nun zum architektonischen Element, das ganze Raumteile voneinander zu trennen vermag – dessen Wirkung sich allerdings erst im Besucher selbst entfaltet. Ihre Fotoarbeit „The Black Wave“ (2002) zeigt die Aufnahme einer Welle. Die unbändige, aber gleichermaßen auch verborgene Kraft, die darin sichtbar anschwillt, lässt an ein Unwetter, an Regen oder Sturm denken – es gibt allerdings keinerlei Hinweis, der die Situation auflösen würde. So ist es das Ephemere, Beiläufige, das in Trisha Donnellys Arbeiten eine besondere Rolle spielt, wenn sie bei der Eröffnung ihrer Ausstellung in der Casey Kaplan Galerie in New York als ein Napoleonischer Bote auf einem Pferd reitend, erscheint, und der erstaunten Menge die Kapitulation Napoleons verkündet, bevor sie ihr Pferd wieder wendet und in die Nacht New Yorks hinausreitet. Diese Aktionen, von Trisha Donnelly selbst als „Demonstrationen“ bezeichnet, werden weder filmisch noch schriftlich dokumentiert. Sie finden ihre Verbreitung lediglich durch die mündlichen Erzählungen derjenigen, die Trisha Donnellys Aktion miterlebt haben.

Trisha Donnelly lässt uns mit ihren Arbeiten in unserer Imagination über das, was wir auf den ersten Blick zu erkennen glauben, hinaus gehen. So ergibt sich ein stetiges Wechselspiel zwischen physikalischem und imaginiertem Raum, zwischen Realität und Fiktion. Sie wirft uns damit auf die profunde Frage zurück, worüber wir uns eigentlich sicher sein können – worauf wir unsere Existenz begründen. Dies schafft sie auf eine mitreißende Weise, die in ihrer Stärke und Bedingungslosigkeit einzigartig ist.

Für ihre erste große Einzelausstellung im Kölnischen Kunstverein hat Trisha Donnelly neue Arbeiten produziert, die sie in einer eigens entworfenen Ausstellungsarchitektur präsentiert. Die ausgestellten Zeichnungen, Filmaufnahmen, Soundarbeiten und Fotografien sind fast ausschließlich während ihres halbjährigen Aufenthaltes in Köln entstanden und resultieren auch aus ihrer Beschäftigung mit dem Ausstellungsort, seiner Geschichte und Bedeutung.


For the fifth time, the CENTRAL Health Insurance Company in cooperation with the Kölnischer Kunstverein awards the CENTRAL Art Prize for international artists. With the previous prize-winners Rirkrit Tiravanija (1996), Douglas Gordon (1998), Ernesto Neto (2000) and Florian Pumhösl (2002) the CENTRAL Art Prize has achieved an outstanding reputation within the fine arts scene, which is now continued with the nomination of Trisha Donnelly. Trisha Donnelly was nominated by an international jury consisting of Chen Y. Chaos, chief curator at the Millennium Art Museum in Peking, Hans Ulrich Obrist, curator at the Musée d´Art Modèrne de la Ville de Paris, and Beatix Ruf, director of the Kunsthalle Zürich. With the promotional prize amounting to Euro 75.000,- , in addition to its collection of contemporary art, the CENTRAL Health Insurance Company clearly signals its attention to the most recent trends in contemporary fine art, contributing to its development with active support. The CENTRAL Art Prize enables the prize-winner to spend half a year in Cologne to work on the realization of a new art project, which will be presented in summer 2005 in an exhibition at the Kölnischer Kunstverein.

In Trisha Donnelly’s work the ephemeral, the incidental often plays a special role. The basis for her work Rio from 1999, for instance, is a sunset. In this video work Trisha Donnelly stands sideways in relation to the camera, while a colored lamp behind her creates the impression of an artificially staged home-made sunset. A song is heard that was written to convey a sunset to a blind person. To the sound of this song with its Latino rhythms, Trisha Donnelly apparently begins to translate the lyrics of the song into sign language. One might think that she is communicating the atmosphere of the music to an imaginary deaf person, who is able to see the artificial sunset but not hear the song. Yet instead of translating the lyrics of the song word for word, she gives directions for finding the way to an idyllic location in the mountains of Rio de Janeiro. For the normal viewer who does not understand sign language, she hides this message, but still we are captivated by the way the light, the music and Trisha Donnelly’s gestures interweave into a kind of mystical dance that draws from a peaceful yet penetrating expression.

In comparison, some of her other works appear uncanny, almost foreboding. In Night is Coming (warning) from 2002, the statement “night is coming” that flashes again and again against a white background simply announces the coming of nightfall, reminding us of how time passes. Yet the constant, flickering repetition inevitably sparks the viewers’ imagination. It raises the question: “Do we fear the night or welcome it?” The impression can ultimately intensify to the point of an ominous portent.

Cezary Bodzianowski, In and Out

18.02. – 15.05.2005

Der polnische Künstler Cezary Bodzianowski, der erst kürzlich mit dem renommierten polnischen Kunstpreis (Polityka) ausgezeichnet wurde, ist ein ungewöhnlicher Künstler, der ausserhalb Osteuropas noch wenig bekannt ist. Ein Grund dafür liegt in der Widerständigkeit, mit der sich seine künstlerische Arbeit den Erwartungen wie auch Vereinnahmungs- und Kategorisierungstendenzen einer international zunehmend an den Gesetzmäßigkeiten des Kunstmarktes orientierten Ausstellungspraxis verweigert.

Diese Verweigerung findet ihren Ausdruck nicht nur in seiner Wahl der performativen Intervention als bevorzugtes künstlerisches Medium. Der Flüchtigkeit des gewählten Mediums entspricht auch die Flüchtigkeit der Aktionen bzw. der Situationen, die er damit schafft. Manche seiner Interventionen bleiben völlig unbemerkt, andere haben zufällige Beobachter, selten richten sie sich an ein Publikum, das sie – vorab informiert – erwartet und in einen Kunstkontext bringen kann. Die Grundregeln der Performance gelten für Bodzianowskis Arbeit nicht. Er hat keine Bedenken wegen der Dauer, keine Angst vor langen Passagen, kümmert sich nicht um das Publikum oder um ein möglichst aufsehenerregendes Finale. Die zahllosen Aktionen laufen fast ausschließlich vom Kunstbetrieb unbeobachtet ab und eben auch unabhängig von ihm, gleichsam als Ausdruck einer täglichen künstlerischen Notwendigkeit. Ihnen gemeinsam ist die absichtliche Beschränkung auf einfachste Mittel, die auch das spontane Reagieren auf Vorgefundenes ermöglicht. In „Good Morning“ (Lodz, 1997) etwa, hat der Künstler den Fahrer eines Kranwagens, auf den er um 7 Uhr morgens bei einem Spaziergang gestoßen war, überredet, ihn im Krankorb zu den Fenstern im 5. Stock eines Sozialbaus emporzuheben. Er klopfte an die Fenster, weckte so die Bewohner, grüßte sie und empfahl seine morgendlichen Grüße an die anderen Mitbewohner.

Besondere Beispiele für die poetisch-subversiven Interventionen wie auch für seine Skepsis gegenüber gängigen Ausstellungspraktiken finden sich in Beiträgen zu Ausstellungen, zu denen er eingeladen wurde. So hat sein Ausstellungs-beitrag in einer Galerie in Lublin 1997 darin bestanden, die Angestellten zu überreden, sich während der Öffnungszeiten in der Galerie einschliessen zu lassen, die Computer und die Telefone auszustecken und ihre Arbeit einzustellen. Während-dessen unternahm der Künstler einen ausgedehnten Spaziergang durch die sonnigen Straßen von Lublin. Ein anderes Mal (‚Nattahnam’, Galeria Manhattan, 1996) bestand der Ausstellungsbeitrag des Künstlers darin, einen Tag in der Wohnung über der Galerie gemeinsam mit der dort lebenden Familie zu verbringen und sich bestmöglich in ihren Alltag einzufügen.

Gemeinsam ist den Interventionen Cezary Bodzianowskis die Überwindung von ‚natürlichen’ Sinnzusammenhängen, wie sie Gewohnheit und Routine zwingend vorgeben. Die Behauptung alternativer Lesarten von scheinbar Gesichertem birgt dabei in einer Gesellschaft, deren Selbstverständnis maßgeblich von der Eindeutigkeit und Zweifellosigkeit dessen getragen wird, worauf man sich allgemein als wahr geeinigt hat, subversives Potential in sich. Dieses subversive Potential wird zwar durch die große Poesie der Interventionen überlagert, schreibt sich aber dem kritischen Bewusstsein eben erst durch diese immanente poetische Bildhaftigkeit nachdrücklich und unauslöschlich ein.

Die meisten Interventionen und Aktionen Cezary Bodzianowskis hat seine Frau, die Fotografin Monika Chojnicka, mit einfachen Erinnerungsfotos dokumentiert. Als Teil der Ausstellung im Kunstverein wird erstmals eine Auswahl dieser Dokumentationen, die von großer poetischer und bildhafter Ausstrahlungskraft sind, zu sehen sein. Cezary Bodzianowski wird die Dokumentationen am Freitag, den 18.2. um 19.30 Uhr und am Samstag, den 19.2. um 18 Uhr in einer Performance kommentieren.

Cezary Bodzianowski, geboren 1968, lebt und arbeitet in Lodz, Polen.


The polish artist Cezary Bodzianowski, who has recently been distinguished with the renowned Polish Art Prize (Polityka), is an unusual artist, who is still too little known outside Eastern Europe. One reason for this lies in the resistiveness, with which his artistic work rejects the expectations and the tendencies to appropriate and categorize that are found in an international exhibition practice increasingly oriented to the laws of the art market.

This rejection is expressed not only in his choice of performative intervention as his preferred artistic medium. The transience of this chosen medium also corresponds to the transience of the actions or the situations that he creates in this way. Some of his interventions go completely unnoticed, others have chance observers; they are rarely directed to a – pre-informed- audience that expects them and can put them into an art context. The basic rules of performance do not apply to Bodzianowski’s work. He is not concerned with duration, has no fear of long passages, does not worry about the audience or a spectacular finale. The countless actions take place almost entirely unnoticed by the art business and independent from it, as a kind of expression of a daily artistic necessity. What they all share is the intentional limitation to the simplest means, which also makes it possible to spontaneously react to found situations. In “Good Morning” (Lodz, 1997), for instance, he came across a crane as he was taking a walk at seven in the morning and talked the driver into lifting him in the crane cage to the windows of the fifth floor of a tower block. He knocked on the windows, waking the residents, greeting them and leaving his regards to wish a good morning to all the other residents.

Special examples for his poetic, subversive interventions, as well as his skepticism with regard to conventional exhibition practices are found in contributions to exhibitions to which he has been invited. For his part in an exhibition in a gallery in Lublin in 1997, he persuaded the staff to lock themselves in the gallery during the opening hours of the exhibition, unplug the computers and telephones and stop working. In the meantime, the artist took a long walk through the sunny streets of Lublin. On another occasion (“Nattahnam”, Galeria Manhattan, 1996), the artist’s participation in the exhibition consisted of spending a day in the flat of the family living above the gallery and doing his best to fit into their everyday life.

What Cezary Bodzianowski’s interventions have in common is the way they overcome “natural” contexts of meaning, as they are compellingly set by habit and routine. The assertion of alternative readings of what is seemingly assured harbors a subversive potential in a society, whose self-understanding is substantially based on the unambiguousness and incontrovertibleness of what is generally agreed to be true. Although this subversive potential is overlaid with the great poeticalness of the interventions, it is specifically inscribed into critical awareness through this immanently poetic pictorialness lastingly and ineradicably.

Most of Cezary Bodzianowski’s interventions and actions have been documented by his wife, the photographer Monika Chojnicka, with simple remembrance photos. A selection of these documentations, which have a strong poetic and pictorial aura, will be shown for the first time as part of the exhibition at the Kölnischer Kunstverein. Cezary Bodzianowski will comment on the documentations in a performance on Friday, 18 February at 7.30 p.m. and on Saturday, 19 February at 6 p.m.

Cezary Bodzianowski, born 1968, lives and works in Lodz, Poland.

Die Grenze

Filmreihe von Thomas Arslan
11.02. – 27.02.2005

Vortrag von Thomas Arslan am 10. 02., 19 Uhr

In der Filmreihe „Die Grenze“ geht es um belagerte und umkämpfte Grenzen.
Ihre Überquerung stellt für die Unerwünschten ein lebensgefährliches Risiko dar. Auf der „anderen Seite“ werden diese Grenzen mit einem komplexen Militär- und Polizei-Apparat bewacht. Hier treffen verschiedene Projektionen aufeinander, die sich je nachdem von welcher Seite man blickt voneinander unterscheiden. Es begegnet sich die Angst vor der fremden, anderen Kultur, von deren „Armut“ und „Rückständigkeit“ überschwemmt zu werden und die Hoffnung und Sehnsucht nach einem besseren und menschenwürdigeren Leben.
Die Filmreihe zeigt Arbeiten, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Grenze und deren Effekten beschäftigen. In einigen der gezeigten Filme ist die Grenze bzw. die Grenzregion der Hauptschauplatz, in anderen ist sie weniger unmittelbar präsent, jedoch ein wichtiger Bezugspunkt.
Thomas Arslan (*1962), Filmemacher und Drehbuchautor, lebt und arbeitet in Berlin.

De l’autre côté (Chantal Akerman) B/F 2002, 103 min, OmeU
Der Film über die mexikanisch-US-amerikanische Grenze beginnt auf der mexikanischen Seite und schildert die Hoffnungen und die Verzweiflung der auf Einwanderung in die USA Hoffenden. Die Orte, die Chantal Akerman in ruhigen Schwenks und Fahrten zeigt, sind davon aufgeladen.

A City of Sadness (Hou Hsiao-hsien) Taiwan 1989, 157 min, OmdU
Die Geschichte einer taiwanesischen Familie, die in den Strudel der Ereignisse der Nachkriegszeit gerät. Der Film beginnt 1945 mit der Beendigung der japanischen Besatzung Taiwans und schildert die kurze Übergangszeit bis 1949, als das Land von der autoritären Politik des chinesischen Festlandes erneut unterdrückt wird.

Touch of Evil (Orson Welles) USA 1958, 111 min, OmdU
Ein Kriminalfilm, ein Spätwerk des „Film Noir“, ebenfalls an der mexikanisch-amerikanischen Grenze angesiedelt. Welles interessiert die Grenze weniger als konkreter politischer Ort, sondern als überhöhtes, moralisches Niemandsland, in dem alle Gewissheiten zu Staub zerfallen.

Loin (André Téchiné) F/E 2001, 120 min, OmdU
Der junge Serge pendelt als Lastwagenfahrer zwischen Frankreich, Spanien und Marokko. In Tanger kreuzen sich die Wege von Serge, Sarah und Said. „Loin“ entfaltet ein Geflecht von Wünschen und Träumen, in dem das Private und die konkreten politischen Bedingungen miteinander verwoben sind.

Border Incident (Anthony Mann) USA 1949, 94 min, OF
Eine der frühen Arbeiten Anthony Manns. Zwei amerikanische Undercoveragenten schleusen sich in einen Schlepperring ein, der zwischen der amerikanisch-mexikanischen Grenze operiert.

Scarface (Brian De Palma) USA 1983, 170 min, DF
Al Pacino spielt den kubanischen Einwanderer Tony Montana, für den außer dem Elend nichts in den USA vorgesehen ist. „The world is yours“. Dieses Reklame-Versprechen des „American way of life“ macht er sich mit bedingungsloser Übererfüllung zu Eigen.

Zeit der trunkenen Pferde (Bahman Ghobadi) Iran 2000, 79 min, OmdU
Der mit Laiendarstellern gedrehte Spielfilm schildert mit naturalistischer Wucht die harte Existenz von fünf verwaisten Geschwistern im Norden des iranischen Teils von Kurdistan. Vom durch Grenzschmuggel verdienten Geld soll eine lebensrettende Operation für das älteste, behinderte Geschwisterkind Madi bezahlt werden. Für diese Operation muss Madi das Unmögliche gelingen: auf die andere Seite der Grenze zu gelangen.

Allemagne, année 90 neuf zéro (Jean-Luc Godard) F 1991, 62 min, dt./frz. OF
Eine Auftragsarbeit für das Fernsehen über das Thema Einsamkeit. Godard entschied sich für einen Film über die Einsamkeit eines Staates. Nach dem Verschwinden der deutsch-deutschen Grenze irrt der alt gewordene Agent Lemmy Caution durch das ehemalige Gebiet der DDR und nähert sich dem Westen. Spuren der deutschen Geschichte säumen seinen Weg.


Film Series by Thomas Arslan

The film series “The Border” deals with besieged and disputed borders. For those who are unwelcome, crossing it represents a life-threatening risk. On the “other side” these borders are guarded with a complex military and police apparatus. This is where projections meet, which differ from one another depending on which side one is looking from. Here a fear of what is foreign, of other cultures, of being overwhelmed by their “poverty” and their “backwardness” meets the hope and the longing for a better life more in keeping with human dignity.

The film series shows works that deal with the border and its effects in different ways. In some of the films the border or border region is the main setting; in others it is less immediately present, but still an important point of reference.

Thomas Arslan (*1962), filmmaker and screenwriter, lives and works in Berlin.
De l’autre côté (Chantal Akerman) B/F 2002, 103 min, original version with Engl. subtitles
The film about the Mexican-US American border begins on the Mexican side and describes the hopes and desperation of those hoping to immigrate to the USA. The locations that Chantal Ackermann shows in tranquil pans and tracks are charged with this.

A City of Sadness (Hou Hsiao-hsien) Taiwan 1989, 157 min, original version with German subtitles
The story of a Taiwanese family caught up in the whirl of events in the post-war era. The film begins in 1945 with the end of Japanese occupation and depicts the brief transitional period until 1949, when the country is oppressed again by the authoritarian politics of mainland China.

Touch of Evil (Orson Welles) USA 1958, 111 min, original version with German subtitles
A crime film, a late “film noir” work, which is also located at the Mexican-American border. Welles is less interested in the border as a concrete political site, but more as an exaggerated, moral no-man’s-land, where all certainties crumble into dust.

Loin (André Téchiné) F/E 2001, 120 min, original version with German subtitles
Young Serge travels back and forth between France, Spain and Morocco as a truck driver. In Tangier Serge, Sarah and Said cross paths. “Loin” unfolds a fabric of wishes and dreams, in which the private sphere and the concrete political conditions are mutually interwoven.

Border Incident (Anthony Mann) USA 1949, 94 min, original version
One of Anthony Mann’s early works. Two American undercover agents infiltrate a ring of human smugglers operating between the American-Mexican border.

Scarface (Brian De Palma) USA 1983, 170 min, German synchronized version
Al Pacino plays the Cuban immigrant Tony Montana, for whom there is nothing in the USA except misery. “The world is yours.” He takes this advertising slogan promising the “American way of life” and makes it his own with a vengeance.

Zeit der trunkenen Pferde (Bahman Ghobadi) Iran 2000, 79 min, original version with German subtitles
This feature film shot with amateur actors depicts with naturalistic force the rough existence of five orphans in the north of the Iranian part of Kurdistan. A life-saving operation for the eldest, handicapped orphan Madi is to be paid for with money earned by smuggling across the border. For this operation Madi has to achieve the impossible: to reach the other side of the border.

Allemagne, année 90 neuf zéro (Jean-Luc Godard) F 1991, 62 min, Ger./Fr. original version
A commissioned work for television on the theme of loneliness. Godard decided to make a film about the loneliness of a state. After the disappearance of the German-German border, the aged agent Lemmy Caution wanders through the former GDR territory and approaches the west. His path is strewn with traces of German history.