Kerstin Brätsch & DAS INSTITUT, („Nichts, Nichts!”)

05.02. – 20.03.2011

„»Nichts, nichts! Und zehn Jahre Arbeit!«
Er setzte sich und schluchzte!“

Der Maler Frenhofer in Honoré de Balzacs berühmter Erzählung “Das unbekannte Meisterwerk” (1831) ist erschüttert, als seine Künstlerkollegen sein gemaltes Portrait als unförmige, fleischige Masse wahrnehmen. Kerstin Brätsch antwortet im Titel der Ausstellung („Nichts, Nichts!“) auf Frenhofers hysterischen Ausbruch und inszeniert sich als seine künstlerische Antipodin. Ihre großformatigen Malereien auf Papier werfen Fragen zur künstlerischen Persona oder gar der Marke „Kerstin Brätsch“ auf. Seit 2007 betreibt sie gemeinsam mit Adele Röder DAS INSTITUT als Agentur für Import und Export. DAS INSTITUT bietet Serviceleistungen an und übernimmt die Werbung und Distribution der eigenen Kunstwerke.

Brätsch und Röder imitieren die Verwertungsmechanismen von Unternehmen und schleusen ihre Werke wie Vorlagen und Muster in eine selbst gewählte Produktionskette ein. Erstmals präsentieren Kerstin Brätsch & DAS INSTITUT in Köln neben Gemälden ihre erste Modekollektion: Digital gestrickte Hosenanzüge – maßgeschneidert auf die Modelle Röder und Brätsch – und Parasite Patches, die per Druckknopf an vorhandene Kleidung angebracht werden können und auf den Motiven ihrer Poster basieren.

Das, was wie eine starke Übertreibung ausschaut, die den schmalen Grat zwischen Kunst, Strickmode, Rollenspiel und industrieller Produktion betritt, entpuppt sich gleichzeitig als eine pointierte Beobachtung des Kunstbetriebs und ein Plädoyer für die Malerei und ihre Möglichkeiten.

Kerstin Brätsch, geboren 1979 in Hamburg, lebt und arbeitet zurzeit in New York. Zuletzt zeigte sie ihre Arbeiten im Parc Saint Léger, Pougues-les-Eaux (2010), auf dem Art Statement der Galerie BaliceHertling, Art Basel (2010) und im Projektraum Hermes und der Pfau, Stuttgart (2009).

Erste internationale Aufmerksamkeit erhielt DAS INSTITUT mit seiner Ausstellung im Swiss Institute, New York (2009) und Ausstellungsbeteiligungen im New Museum, New York (2009) undim PS1/ MoMA , New York (2010). Im Sommer erscheint ein Künstlerbuch, gemeinschaftlich produziert von Kölnischer Kunstverein, Parc Saint Léger und Kunsthalle Zürich.


Kerstin Brätsch is a New York-based artist who was born in Hamburg, Germany, in 1979, and her paintings alternate between a distant third-person perspective and an enthusiastic, slogan-like voice promoting the Kerstin Brätsch “brand”. Brätsch teamed up with Adele Röder in 2007 to found the import-export agency DAS INSTITUT, in line with her idea that the “one-woman-artist” concept is no less conservative than the “one-man artist” model.

Her painting is institutional critique in the form of resolute action. Brätsch consciously chooses to collaborate with other artists and uses humour to subtly undermine stereotypes and conventional notions of what it means to be an artist.

Yet she does not stop at subversive strategies; she can also be very “in your face”, blasting apart the pretences of auratic painting with her ironic use of painterly gestures introduced by the generation of male artists who came before her. She picks up on strategies of disillusionment from painters like Martin Kippenberger and Albert Oehlen and succinctly challenges the seductive patterns and expressive language of painting.