Konzepte der Liebe

Mit Gerry Bibby, Bless, Keren Cytter, Ekkehard Ehlers, Stephan Geene, Frauke Gust, Judith Hopf, Francesca Lacatena, Henrik Olesen, Monika Rinck, de Rijke⁄de Rooij, Jörg Rode, Deborah Schamoni, Klaus Theweleit, Florian Zeyfang.
Eingeladen von Judith Hopf, Kathrin Jentjens und Anja Nathan-Dorn.
09.02. – 30.03.2008

Eröffnung am 08.02.2008 mit einer Performance von Gerry Bibby und Liebesliedern, aufgelegt von Ekkehard Ehlers und Olaf Karnik.

Konzepte der Liebe ist eine Ausstellung, die künstlerischen Diskursen, Produktionen und Positionen nachgeht, welche die Erfahrung des „In-Liebe-Fallens“ als radikalisierende Bewegungsform thematisieren, oder besser: mitdenken.

Die Erfahrung des „In-Liebe-Fallens“ lässt sich bekanntlich nicht herstellen, da sie außerhalb der rationalen Entschlussmöglichkeit liegt. Dabei wird die Liebe selbst nicht als irrational betrachtet. Sie wird mit unzählbaren politischen, begehrens-orientierten und ästhetischen Projektionen, Strukturen und Konzeptionen verbunden. Die Gespräche, Produkte und Analysen von Liebenden über eben diese Liebeskonzeptionen stehen dabei meist in einem Gegensatz zu einer kapitalistischen Verweislogik, da sich diese möglicherweise anheizen, verhindern, manipulieren, psychoanalytisch erklären, aber einfach nicht erfolgsorientiert „rechnen“ lassen. Liebe kann erst dann wirken, wenn der oder die Liebende zur wechselseitigen Annerkennung der Differenz zum anderen gelangt, oder wenn es ihr⁄ihm gelingt, wie es die Autorin Monika Rinck zum Ausdruck bringt, „über das Ich hinaus auch das Du zu denken“.

Folgt man zum Beispiel Roland Barthes’ Thesen und Erfahrungen so sind Hypersensibilität, Überschreitung, Verschwendung, Beschleunigung, Verlangsamung und unvorhersehbare Bewegungen gegen die Funktionalisierung und Ökonomisierung des Subjektes alltägliche Handlungen und Erfahrungen der Liebenden. Die Unfähigkeit sich so in „Liebe (zu) gefallen“, sich an die Bedingungen und Anforderungen der Alltags- und Arbeitswelt anzupassen, wird nicht als Schwäche sondern gerade als (auch politische) Stärke verstanden. Trotz der liebestollen Blindheit sieht man scharf, gelangt zu den zärtlichsten Erkenntnissen und handelt radikal, und – im gesellschaftlichen Konsens gesehen – oft „falsch“.

Ausgangspunkt für Konzepte der Liebe ist die Arbeit von Judith Hopf, mit der wir die Ausstellung gemeinsam entwickeln. In ihrer Arbeit spielt die Frage nach dem Impuls und dem sozialen und gemein- schaftlichen Sinn für eine mögliche Produktivität, die sich in der Polis vermittelt und verhandeln lässt (oder eben nicht), eine wichtige Rolle. Der Begriff Konzepte der Liebe ist ihrem Sprachgebrauch entlehnt und ihrer Betrachtungsweise gesellschaftlicher, sozialer oder künst- lerischer Prozesse. So geht es in der Ausstellung auch keineswegs um eine Genealogie oder eine Analyse unterschiedlicher Liebeskonzepte, sondern vielmehr um bestimmte (auch historische) Konzepte und Begriffe der Liebe, die sowohl für Hopf als auch für die anderen beteiligten Künstler auf je unterschiedliche Art und Weise bedeutsam sind.

Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten, wie die Ko-Produktion von Judith Hopf und Stephan Geene Bei mir zu dir (tv. Low-dunkel), 2005, oder Elevator Curator, 2005, und Hospital Bone Dance, 2006, von Judith Hopf und Deborah Schamoni, sowie weiteren Arbeiten von Gerry Bibby, de Rijke⁄de Rooij, Florian Zeyfang, dem Musiker Ekkehard Ehlers und dem Künstler Jörg Rode, sowie von der Autorin Francesca Lacatena, zeigen unterschiedliche Versuche, eine Sprache für diese Bewegungen der Liebe zu finden. Das Modelabel Bless stellt dazu das Exhibition Furnish. Im Sinne eines Moments von Intensivierung und Verschwendung werden einige Künstler wie Keren Cytter und Henrik Olesen eigene Satelliten oder kleine Kosmen innerhalb der Ausstellung entwickeln. Eine Lesung mit der Autorin Monika Rinck und ein Vortrag von Klaus Theweleit wird Konzepte der Liebe in zwei Veranstaltungen erweitern.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Judith Hopf, Frauke Gust, Monika Rinck, Kathrin Jentjens und Anja Nathan-Dorn.

Wir danken dem Filmclub 813 für die Zusammenarbeit.

Die Ausstellung wird unterstützt von der Kunststiftung NRW und HDI Gerling.


Concepts of Love is an exhibition that pursues artistic discourses, productions and discussions thematising or – more precisely – thinking proactively the experience of “falling in love” as a radical form of movement.

The experience of ”falling in love“ cannot be drawn up as it lies beyond rational options of resolution. But love itself is not seen as irrational. It is linked with uncountable political, aesthetical and desire-related projections, compositions and concepts. The lovers’ talks, products and analyses of these love concepts stand for the most part in contrast with a capitalistic logic of reference. They might be stoked up, inhibited, manipulated, or psychoanalytically explained but cannot possibly be ”calculated“ in a success-oriented way. Only when the lovers succeed in accepting the difference between each other or when he⁄she is able to – as author Monika Rinck words it – ”think the You beyond the I“ can love take effect.

If one follows for example the theses and experiences of Roland Barthes, hypersensibility, transgression, prodigality, acceleration and deceleration as well as unforeseeable agitations against the functionalization and instrumentalisation of the subject are common acts and experiences of lovers. The inability to ”please oneself (and fall) in love“ and to adjust to the conditions and demands of everyday and of working life is not regarded as a weakness but instead is deliberately seen as (a likewise political) strength. In spite of lovelorn blindness, one is able to see clearly, reaches most tender insights and acts radically and – in social consensus – mostly incorrect.

Starting point for Concepts of Love is the work of Judith Hopf with whom we developed the exhibition. The question of the impulse and social sense of a possible productivity that can – or cannot – be communicated and negotiated in polity plays an important role in her works. Along with her own works, a large number of co-productions came into being, some of which, like for example the video Bei mir zu dir (tv.Low-dunkel), 2005, realized by Hopf and Stephan Geene or Elevator Curator, 2005, and Hospital Bone Dance,2006 which Hopf produced together with Deborah Schamoni will be shown.
With the works of Bless, Gerry Bibby, de Rijke⁄de Roij Eckehard Ehlers and Jörg Rode, Francesca Lacatena and Florian Zeyfang, Concepts of Love is an exhibition showing different attempts to find a language for these movements of love. In terms of a moment of intensification and dissipation, artist such as Keren Cytter and Henrik Olesen will develop own satellites or small universes within the exhibition. A lecture by Klaus Theweleit and a reading by author Monika Rinck will expands the array of events within Concepts of Love.