Trisha Donnelly, CENTRAL Kunstpreis

25.06. – 05.09.2005

Zum fünften Mal vergibt die CENTRAL KRANKENVERSICHERUNG AG Köln in Zusammenarbeit mit dem Kölnischen Kunstverein den CENTRAL-Kunstpreis für internationale Künstler. Durch die bisherigen Preisträger Rirkrit Tiravanija (1996), Douglas Gordon (1998), Ernesto Neto (2000) und Florian Pumhösl (2002) hat der CENTRAL-Kunstpreis großes Ansehen innerhalb der bildenden Kunstszene gewonnen, das mit der Nominierung von Trisha Donnelly seine Fortsetzung findet. Trisha Donnelly wurde von einer internationalen Jury, bestehend aus Chen Y. Chaos, Chefkuratorin am Millenium Art Museum in Peking, Hans Ulrich Obrist, Kurator am Musée d´Art Moderne de la Ville de Paris und Beatix Ruf, Direktorin der Kunsthalle Zürich, nominiert. Mit dem Förderpreis in einer Höhe von Euro 75.000,- setzt die CENTRAL Krankenversicherung AG ein deutliches Zeichen, neben ihrer Sammlung von zeitgenössischer Kunst auch die jüngsten Tendenzen in der zeitgenössischen bildenden Kunst wahrzunehmen und durch eine aktive Unterstützung mit fortzuschreiben.
Der CENTRAL-Kunstpreis ermöglicht der Preisträgerin einen halbjährigen Aufenthalt in Köln und die Realisierung eines neuen künstlerischen Projektes, das im Sommer 2005 in einer Ausstellung im Kölnischen Kunstverein gezeigt wird.

Trisha Donnelly versteht es auf besondere Art in ihren Installationen, Video- und Soundarbeiten, Fotografien, Performances oder Zeichnungen, Momente der uneingeschränkten Konzentration und Fokussierung zu schaffen.
Beinahe obsessiv spielt sie mit einer Mischung aus Faszination und Ratlosigkeit. Durch ihre eindringlichen Demonstrationen von Kraftanstrengung und Hingabe scheint es, als sei sie in der Lage, allein durch ihren Willen die Realität zu verändern – es entsteht ein Sog von höchster Intensität. Doch statt die vormals als sicher gewähnten Situationen, die nun gebrochen und in vollkommene Irritation geraten sind, aufzulösen, lässt sie uns mit einem empfindlich treffenden Gefühl tiefer, verstörender Leere und Unsicherheit allein zurück.

Trisha Donnelly erforscht in ihren Arbeiten immer wieder die Grenzen der Sinneswahrnehmung. In Soundarbeiten wie „The Shield“ (2004) setzt sie einen sonoren, dumpfen Ton, der in regelmäßigen Abständen ertönt, in einer so hohen Stärke ein, dass er zu einer körperlich spürbaren Barriere wird. Das was uns eigentlich Immateriell erscheint, wird nun zum architektonischen Element, das ganze Raumteile voneinander zu trennen vermag – dessen Wirkung sich allerdings erst im Besucher selbst entfaltet. Ihre Fotoarbeit „The Black Wave“ (2002) zeigt die Aufnahme einer Welle. Die unbändige, aber gleichermaßen auch verborgene Kraft, die darin sichtbar anschwillt, lässt an ein Unwetter, an Regen oder Sturm denken – es gibt allerdings keinerlei Hinweis, der die Situation auflösen würde. So ist es das Ephemere, Beiläufige, das in Trisha Donnellys Arbeiten eine besondere Rolle spielt, wenn sie bei der Eröffnung ihrer Ausstellung in der Casey Kaplan Galerie in New York als ein Napoleonischer Bote auf einem Pferd reitend, erscheint, und der erstaunten Menge die Kapitulation Napoleons verkündet, bevor sie ihr Pferd wieder wendet und in die Nacht New Yorks hinausreitet. Diese Aktionen, von Trisha Donnelly selbst als „Demonstrationen“ bezeichnet, werden weder filmisch noch schriftlich dokumentiert. Sie finden ihre Verbreitung lediglich durch die mündlichen Erzählungen derjenigen, die Trisha Donnellys Aktion miterlebt haben.

Trisha Donnelly lässt uns mit ihren Arbeiten in unserer Imagination über das, was wir auf den ersten Blick zu erkennen glauben, hinaus gehen. So ergibt sich ein stetiges Wechselspiel zwischen physikalischem und imaginiertem Raum, zwischen Realität und Fiktion. Sie wirft uns damit auf die profunde Frage zurück, worüber wir uns eigentlich sicher sein können – worauf wir unsere Existenz begründen. Dies schafft sie auf eine mitreißende Weise, die in ihrer Stärke und Bedingungslosigkeit einzigartig ist.

Für ihre erste große Einzelausstellung im Kölnischen Kunstverein hat Trisha Donnelly neue Arbeiten produziert, die sie in einer eigens entworfenen Ausstellungsarchitektur präsentiert. Die ausgestellten Zeichnungen, Filmaufnahmen, Soundarbeiten und Fotografien sind fast ausschließlich während ihres halbjährigen Aufenthaltes in Köln entstanden und resultieren auch aus ihrer Beschäftigung mit dem Ausstellungsort, seiner Geschichte und Bedeutung.


For the fifth time, the CENTRAL Health Insurance Company in cooperation with the Kölnischer Kunstverein awards the CENTRAL Art Prize for international artists. With the previous prize-winners Rirkrit Tiravanija (1996), Douglas Gordon (1998), Ernesto Neto (2000) and Florian Pumhösl (2002) the CENTRAL Art Prize has achieved an outstanding reputation within the fine arts scene, which is now continued with the nomination of Trisha Donnelly. Trisha Donnelly was nominated by an international jury consisting of Chen Y. Chaos, chief curator at the Millennium Art Museum in Peking, Hans Ulrich Obrist, curator at the Musée d´Art Modèrne de la Ville de Paris, and Beatix Ruf, director of the Kunsthalle Zürich. With the promotional prize amounting to Euro 75.000,- , in addition to its collection of contemporary art, the CENTRAL Health Insurance Company clearly signals its attention to the most recent trends in contemporary fine art, contributing to its development with active support. The CENTRAL Art Prize enables the prize-winner to spend half a year in Cologne to work on the realization of a new art project, which will be presented in summer 2005 in an exhibition at the Kölnischer Kunstverein.

In Trisha Donnelly’s work the ephemeral, the incidental often plays a special role. The basis for her work Rio from 1999, for instance, is a sunset. In this video work Trisha Donnelly stands sideways in relation to the camera, while a colored lamp behind her creates the impression of an artificially staged home-made sunset. A song is heard that was written to convey a sunset to a blind person. To the sound of this song with its Latino rhythms, Trisha Donnelly apparently begins to translate the lyrics of the song into sign language. One might think that she is communicating the atmosphere of the music to an imaginary deaf person, who is able to see the artificial sunset but not hear the song. Yet instead of translating the lyrics of the song word for word, she gives directions for finding the way to an idyllic location in the mountains of Rio de Janeiro. For the normal viewer who does not understand sign language, she hides this message, but still we are captivated by the way the light, the music and Trisha Donnelly’s gestures interweave into a kind of mystical dance that draws from a peaceful yet penetrating expression.

In comparison, some of her other works appear uncanny, almost foreboding. In Night is Coming (warning) from 2002, the statement “night is coming” that flashes again and again against a white background simply announces the coming of nightfall, reminding us of how time passes. Yet the constant, flickering repetition inevitably sparks the viewers’ imagination. It raises the question: “Do we fear the night or welcome it?” The impression can ultimately intensify to the point of an ominous portent.